23 April 2026, 14:23

"Blutbuch" erstrahlt als mutige Bühnenadaption in Berlin

Plakat mit dem Text "Toiletten sind geschlechtsneutral" betont den inklusiven Toilettenentwurf.

"Blutbuch" erstrahlt als mutige Bühnenadaption in Berlin

Die Bühnenadaption von Kim de l'Horizons preisgekröntem Debütroman feierte vor ausverkauftem Haus Premiere in Berlins Vaganten Bühne. Die Inszenierung verwandelt den gefeierten Roman in eine 90-minütige Aufführung, die Erinnerung, Identität und Familiengeschichte zu einem dichten Erlebnis verschmilzt. Mit kühnen visuellen Mitteln bringt das Stück eine zutiefst persönliche Reise der Selbstfindung auf die Bühne.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Im Mittelpunkt steht Kim, eine genderfluide Erzählfigur, deren Leben sich nicht in binäre Kategorien pressen lässt. Ihre Suche beginnt, als die Demenz der Großmutter sie zwingt, sich der Vergangenheit zu stellen. Unter einer Blutbuche – einst von ihrem Urgroßvater gepflanzt – findet Kim flüchtigen Halt, während sie ein verborgenes matrilineares Erbe rekonstruiert.

Auf der Bühne wird die Rolle Kims von drei Schauspieler:innen verkörpert: Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger. Ihr Spiel führt durch Kindheitserinnerungen in einem Schweizer Vorort, wo sich Scham langsam in Selbstakzeptanz verwandelt. Das Bühnenbild unterstreicht diese schonungslose Erkundung – zerrissene, beige Strumpfhosen hängen von der Decke, gefüllt mit Sand und beschwerten Kugeln.

Kims Weg ist einer des Schweigebruchs. Der Roman, der 2022 sowohl mit dem Deutschen als auch dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet wurde, entfaltet sich nun als eine körperliche Auseinandersetzung mit Identität. Das Stück verweigert einfache Antworten und taucht das Publikum stattdessen ein in die Flüssigkeit von Kims Dasein – ein Körper ohne Grenzen, eine Geschichte ohne feste Form.

Die Premiere markiert einen mutigen Schritt für die Vaganten Bühne, die einen literarischen Triumph in ein theatralisches Erlebnis verwandelt. Mit ihrem unbestechlichen Blick auf Geschlecht, Erinnerung und Zugehörigkeit bleibt die Adaption de l'Horizons Vision treu. Das ausverkaufte Eröffnungshaus deutet auf großes Interesse an einer Erzählung hin, die Konventionen herausfordert und Komplexität umarmt.

Quelle