Anna Netrebko triumphiert in Berlin – zwischen Jubel und Protesten
Heinz-Peter SödingAnna Netrebko triumphiert in Berlin – zwischen Jubel und Protesten
An der Berliner Staatsoper Unter den Linden feierte eine mutige Neuinszenierung von Un ballo in maschera mit Anna Netrebko in der Hauptrolle Premiere. Die Aufführung löste im Theater begeisterten Applaus aus, während draußen eine kleine Gruppe von Demonstranten protestierte. Der Auftritt markiert Netrebkos Rückkehr an das Haus nach Jahren der Kontroversen und wandelnder öffentlicher Meinung.
Die fast dreistündige Produktion von Verdis Oper provozierte starke Reaktionen beim Publikum. Regisseur Rafael R. Villalobos integrierte Elemente der queeren Ballroom-Kultur sowie Anspielungen auf die AIDS-Krise in bestimmte Szenen – was sowohl Jubel als auch Buhrufe auslöste. Netrebko, in der Rolle der Amelia, erhielt für ihre Darstellung begeisterten Beifall, während auch die Musiker und Sänger gefeiert wurden.
Vor dem Opernhaus versammelten sich etwa 50 Protestierende mit ukrainischen Fahnen und skandierten Parolen wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" und "Russland ist ein Terrorstaat". Die Demonstrationen spiegeln die anhaltende Kritik an Netrebko wider, die mit ihren früheren Verbindungen zu Russlands Präsident Wladimir Putin in Verbindung gebracht wird – darunter eine Geburtstagsfeier im Moskauer Kreml. Die Sopranistin, die sowohl die russische als auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, ist seit ihrer öffentlichen Distanzierung von Russland nicht dorthin zurückgekehrt, wie Intendantin Elisabeth Sobotka bestätigte.
Netrebkos jüngste Auftritte in Berlin, darunter ihre für Anfang 2026 geplanten Vorstellungen in Nabucco, folgten einem ähnlichen Muster: ausverkaufte Häuser mit stehenden Ovationen im Inneren, begleitet von anhaltenden Protesten draußen. Diese Spaltung verdeutlicht die ambivalente Rezeption der Star-Sängerin im heutigen Deutschland.
Die Premiere von Un ballo in maschera unterstrich einmal mehr die polarisierten Reaktionen auf Netrebkos Auftritte. Während das Publikum in der Staatsoper ihre künstlerische Leistung feiert, zeigen die Proteste draußen, dass die politischen Spannungen fortbestehen. Das Opernhaus bleibt somit eine Bühne für künstlerische Höchstleistungen – und gesellschaftliche Debatten.






