03 April 2026, 22:12

Ambulante Ärzte fordern dringende Reformen gegen Bürokratie und Finanzchaos

Plakat mit Logo und Text, der besagt: "Präsident Biden beschränkte die Kosten für Insulin auf 35 Dollar pro Monat für Senioren mit Medicare durch das Inflation Reduction Act."

Ambulante Ärzte fordern dringende Reformen gegen Bürokratie und Finanzchaos

Deutschlands ambulantes Gesundheitssystem steht unter wachsendem finanziellen und bürokratischen Druck. Zwischen 2019 und 2024 entgingen Vertragsärzten durch nicht erstattete Leistungen im Rahmen strenger Budgetvorgaben über 11 Milliarden Euro. Nun drängen Führungskräfte auf dringende Reformen, um Bürokratie abzubauen, digitale Dienstleistungen zu verbessern und die Finanzierungsungleichgewichte zu beheben.

Gesundheitsministerin Nina Warken hat seit ihrem Amtsantritt 2023 Schritte zur Modernisierung des Sektors eingeleitet. Kritiker jedoch fordern tiefgreifendere Veränderungen, um weitere Verluste und Ineffizienzen zu verhindern.

Auf einer kürzlichen Konferenz forderte Dr. Sibylle Steiner, stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), zentrale Nachbesserungen am Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG). Sie sprach sich für die Streichung finanzieller Risiken bei Impfungen aus und plädierte für die Einführung einer Bagatellgrenze bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen. Steiner verlangte zudem ein Ende der ungerechten Finanzierungspraxis, eine zuverlässigere Telematikinfrastruktur (TI) sowie bessere Praxisverwaltungssysteme im geplanten Digitalgesetz.

Die Digitalisierung bleibt eine der größten Hürden. Steiner verwies auf tägliche Ausfälle der TI, die das medizinische Personal zu zusätzlichem Papierkram zwingen. Sie unterstützte die KBV-Vorschläge zur Bürokratieentlastung und schätzte die möglichen jährlichen Einsparungen auf rund 400 Millionen Euro an Verwaltungskosten – vorausgesetzt, die Maßnahmen werden umgesetzt.

Gesundheitsministerin Warken hat bereits einige dieser Forderungen aufgegriffen. Ihr Entwurf für das Digitalgesetz sieht vor, dass ab September 2029 Überweisungen verpflichtend digital erfolgen müssen. Ab Februar 2028 soll die ePA-App als zentraler digitaler Zugangspunkt dienen, über den Patienten Termine buchen, Akutdiagnosen erhalten und Telemedizin nutzen können. Zudem wird die ePA für den EU-weiten Datenaustausch ausgebaut und die bestehende Rufnummer 116 117 integriert. Die KBV begrüßte diese Schritte als "richtig und konsequent" und lobte die Nutzung bestehender Strukturen.

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Doch die Finanzierungsstreitigkeiten halten an. Dr. Andreas Gassen, KBV-Vorsitzender, kritisierte die Apothekenreform, die Pharmapauschalen um eine Milliarde Euro aufstockt, ohne die ambulante Versorgung – die 97 Prozent der Behandlungsfälle mit nur 16 Prozent der Gesundheitsausgaben bewältigt – angemessen zu berücksichtigen. Gassen lehnte zudem Pläne ab, unzweckgebundene Mittel in die stationäre Versorgung zu lenken, und fragte, warum nicht versicherungspflichtige Leistungen im Umfang von bis zu 45 Milliarden Euro bei den Spardebatten ausgeklammert bleiben.

Ein weiterer Streitpunkt ist die Notfallversorgungsreform. Dr. Stephan Hofmeister warnte davor, dass die Verpflichtung der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen), rund um die Uhr telemedizinische Beratungen und Hausbesuche während der regulären Sprechzeiten anzubieten, ein bereits überlastetes System weiter belasten würde.

Der Reformdruck wächst, während ambulante Praxen mit steigenden Kosten und veralteten Systemen kämpfen. Zwar zielen Warkens Digitalisierungspläne auf eine effizientere Dienstleistungserbringung ab, doch die finanziellen Belastungen und bürokratischen Hürden bleiben ungelöst. Die KBV besteht weiterhin auf eine gerechtere Finanzierung, bessere technische Ausstattung und weniger Verwaltungsaufwand, um weitere Verluste im Sektor zu verhindern.

Quelle